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Nasse Füße für bessere Versorgung
Hohenzollerische Zeitung vom 02.07.2009
Von Hardy Kromer

Ärzte zeigen am Streiktag (1.7.2009) großes soziales Engagement: Bachputzete und Einsatz im Tafelladen. Wer so originell und sozial engagiert streikt, findet landesweit Beachtung. Mit ihrer Starzelputzete und ihrem Einsatz im Tafelladen haben die Ärzte gestern Funk und Fernsehen nach Hechingen gelockt.
Hechingen. Pause im Hudelgai. Den Schatten einer großen Kastanie am Starzelufer beim Hosengeschäft Bader nutzen zwei Hechinger Ärztinnen, eine Arzthelferin und ein Aktivist vom Angelsportverein gerne, um ein wenig durchzuatmen. Barbara Clar lehnt am Baumstamm, steht auf dem linken Bein und zieht ihren rechten Gummistiefel aus. Als sie ihn umdreht, plätschert ein Viertelliter Wasser heraus.
Er ist eine feuchte Angelegenheit, der ungewöhnliche Öko-Einsatz der Hechinger Mediziner und ihres Praxispersonals. "Wir sind nass von oben bis unten", sagt Dr. Renate Glamser. Die Homöopathin ist zusammen mit ihren Kollegen schon gut zwei Stunden durch den Reichenbach und die Starzel gestapft und hat bei 27 Grad im Schatten Unrat aus den Bächen gefischt und, der sieben blaue Müllsäcke füllt.
Und was sie da alles gefunden haben: alte Autoreifen, ein Verkehrsschild, jede Menge Plastik, Eisenteile, eine alte Kamera, Glasscherben. "Alles noch vom Hochwasser", sagt Joachim Bierfreund, einer der sieben Mitglieder des Hechinger Angelsportvereins, die die insgesamt 15 Ärzte gestern bei ihrer Bachputzete begleitet haben.
Die Ausbeute zeigt: Es ist nach wie vor dringend nötig, dass professionelle und ehrenamtliche Helfer an der Starzel und am Reichenbach aufräumen. "Die Stadt hat ja schon viel getan", sagt die Allgemeinärztin Dr. Gerlinde Rieth und stellt sich zum Trocknen in die Sonne, "aber man muss auch Eigeninitiative ergreifen. "Es liegen so viele Äste rum, und es stehen noch so viele Komposthaufen direkt am Ufer. Beim nächsten Hochwasser verursachen diese Dinge wieder den Rückstau." Keine Frage: Die Mediziner vom Hechinger Ärztenetz Zollern (ÄNZo) haben sich gestern um den Hochwasserschutz und die Sauberkeit der Stadt verdient gemacht.
Nicht minder wichtig war es den Ärzten aber, mit neuen, soziales Engagement verheißenden Protestformen auf ihre berufsständischen Anliegen aufmerksam zu machen. Die Präsenz lokaler und überregionaler Medien am Starzelufer nutzten die Aktivstreiker dazu, vor dem drohenden Sterben der Haus- und Facharztpraxen zu warnen. "Viele von uns überlegen sich wirklich, ob sie weitermachen sollen", sagte Dr. Gerlinde Rieth. "Gestern haben wir unsere Quartalsabrechnung gemacht. Das Ergebnis: mindestens 30 Prozent weniger Umsatz." Unter diesen Voraussetzungen sei es kein Wunder, dass niemand mehr Interesse habe, eine Arztpraxis zu übernehmen. Die Bevölkerung, fügt Dr. Renate Glamser hinzu, müsse der Tatsache ins Auge sehen, dass es künftig immer weniger Hausärzte gebe. Zu ändern sei dies nur durch einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik. "Allen, die uns ansprechen, raten wir, sich die Wahlprogramme der Parteien anzuschauen."








